Physiotherapie André Handwerg

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Stress

Gesundheits-Info

Stress - vom Überlebensinstinkt zur Zivilisationserscheinung

Stress ist eng mit unserer Leistungsgesellschaft verknüpft. So sehr dieser Begriff auch Teil unseres Alltags geworden ist und jeder von uns bereits Stresssituationen ausgesetzt war, fällt es den meisten Menschen doch relativ schwer, diese unangenehme "Zivilisationserscheinung" genau zu definieren und deren Auslöser exakt zu benennen.

Das Wort Stress selbst kommt aus der englischen Sprache und bedeutet im ursprünglichen Sinn "Dehnung, Beanspruchung". In der physikalisch-technischen Terminologie wird der Begriff seit langem zur Beschreibung der Elastizität von festen Körpern gebraucht. Stress bedeutet in diesem Zusammenhang jene Kraftwirkung innerhalb eines Festkörpers (z.B. Gummiband), die von einer externen Kraft hervorgerufen wird.

Erst in den 50er-Jahren hat der Begriff Stress seine Bedeutung in der psychosozialen Wissenschaft erhalten. Dabei wird Stress definiert als ein Muster spezifischer und unspezifischer Reaktionen eines Organismus auf Ereignisse, die als Schädigung, Bedrohung oder Herausforderung bewertet werden und seine Fähigkeiten zur Bewältigung strapazieren oder übersteigen.

Diese Ereignisse werden als Stressoren bezeichnet. Ein Stressor ist somit ein Reizereignis, das von der betroffenen Person eine dem Reiz angepasste Reaktion verlangt (Coping). Diese Stressreaktion erfolgt wiederum auf verschiedenen Ebenen und beinhaltet eine Kombination aus körperlichen (physiologischen), verhaltensbezogenen, emotionalen und kognitiven Veränderungen.

Diese Reaktionen haben eine große individuelle Bandbreite, wodurch erklärbar wird, warum jeder Mensch auf einen Stressor unterschiedlich reagiert. Denn bevor Ereignisse oder Gegebenheiten überhaupt eine Stressreaktion hervorrufen können, müssen diese als Stressoren erkannt und bewertet werden. Man spricht hier von der kognitiven Bewertung.

Diese ermöglicht die Abschätzung einer Situation und die Beurteilung, ob prinzipiell eine Bedrohung vorliegt (primäre Bewertung). Weiters erlaubt sie, abzuwägen, über welche Möglichkeiten das Individuum verfügt, dieser Bedrohung entgegenzutreten, welche Ressourcen also für Gegenmaßnahmen zur Verfügung stehen (sekundäre Bewertung).

Manche Stressoren wie körperliche Verletzungen oder Autounfälle werden hingegen von allen Menschen als Bedrohung angesehen und rufen bei jedem Individuum Stressreaktionen hervor. Selbst Unterforderung (Langeweile) wird oftmals als Stressor bewertet. Andere Ereignisse wiederum sind in ihrer Beurteilung von der allgemeinen Lebenssituation und von den Kompetenzen bzw. der Bewertung der eigenen Fähigkeiten abhängig. Daher wird die Psyche oft als Bindeglied zwischen Stressor und Stressreaktionen betrachtet. Durch diese Bewertung entscheiden wir oft unbewusst, ob wir eine Situation bewältigen oder von ihr "überwältigt" werden.
Denn man kann einen Stressor auch als eine Herausforderung betrachten, die es uns ermöglicht, mit Höchstleistungen zu reagieren. Eine Stresserfahrung kann uns durchaus aufputschen, wenn wir ihr mit Selbstbewusstsein und Aussicht auf Erfolg entgegentreten. Dieses positive Erlebnis wird als Eustress bezeichnet. Überfordert uns hingegen ein Ereignis, stehen wir diesem Stressor hilflos gegenüber - wie erschlagen - und ohne jede Möglichkeit, ihm entgegenzutreten. Dieses negative Erlebnis nennt man Dystress.


 
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