Physiotherapie André Handwerg

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Schmerzmittel, Salben

Gesundheits-Info

Recht auf Schmerzfreiheit

Wie Schmerzmittel (Analgetika) wirken

Eine amerikanische Studie zeigt: Die Ergebnisse der Physiotherapie sind besser, wenn Patienten eine gute Analgesie (Aufhebung der Schmerzempfindung) erhalten. Untersucht wurden Patienten, die ein künstliches Hüftgelenk erhalten haben. Patienten mit schwacher Analgesie konnten nur die Hälfte der gewünschten Übungen ausführen und mussten doppelt so lange im Krankenhaus bleiben wie Patienten mit hoher Dosierung der Schmerzmittel. Fortschritte bei der Gangschule waren geringer und selbst nach einem halben Jahr funktionierte das neue Gelenk schlechter.

Wie entsteht eigentlich Schmerz? Um diese Sinnesqualität wahrzunehmen, besitzt der Körper ein verzweigtes Meldesystem. Millionen Nervenenden (Nozisensoren) sind im Körper verteilt, um die Alarmmeldung Schmerz über spezielle Nerven (Aδ-Fasern und C-Fasern) vom gereizten oder geschädigten Gewebe an das Gehirn zu melden. Erreicht das Signal das Gehirn, so nimmt der Mensch Schmerz wahr und kann ihn beschreiben.

Entzündung als Motor. Schmerz bei Verletzung entsteht nicht nur durch direkte Reizung der Nerven, sondern hauptsächlich durch Entzündungsprozesse. Hierbei setzt das verletzte Gewebe Hormone (Prostaglandine) frei, welche an die Schmerzsensoren andocken und dort Aktionspotentiale auslösen. Ein extremer Reiz für den Schmerznerv entsteht. Gleichzeitig beginnen die typischen Symptome der Entzündung: Rötung und Schwellung. Solange die Entzündung andauert, bleibt der Schmerz bestehen. Ein Abklingen der Entzündung kann und will man aber nicht immer abwarten. Deshalb gibt es Schmerzmittel.

Ort der Wirkung entscheidet. Bei uns sind mehrere tausend Schmerzmittel auf dem Markt. Die Pharmakologie teilt Analgetika – entsprechend ihrem Wirkort – in zwei Hauptgruppen: Periphere Mittel und zentrale Mittel. Periphere Mittel. Periphere Mittel hemmen die Schmerzen im Gewebe. Dazu blockieren die meisten Peripheren die Synthese (Zusammenfügung) der Entzündungshormone. Andere Wirkstoffe senken die Empfindlichkeit der Schmerznerven. Fast alle peripheren Mittel sind chemisch mit der Azetylsalizylsäure (ASS, Aspirin®) verwandt. Sie werden vorwiegend in Tablettenform gegeben. Aspirin ist ein guter Entzündungshemmer. Die Wirkung setzt nach 30-60 Minuten ein. ASS sind ideal, wenn der Patient sie ein oder 2 Tage braucht. Bei längerer Einnahme entwickeln 85% der Patienten Magengeschwüre. Novalgin® gehört zu einer anderen peripheren Schmerzgruppe (Metamizol). Es besitzt keine entzündungshemmende Wirkung, sondern blockiert den Schmerznerv direkt. Wenn die Dosierung ausreichend hoch ist, wirkt es fast so stark wie ein Opiat. Aspirin ist dagegen ein Schwächling. Ein Haken hat auch Metazimol: Es „geht auf den Kreislauf“.
Zentrale Analgetika wirken im Gehirn. Sie leiten sich chemisch vom Opium ab und heissen daher Opiate. Sie nutzen einen körpereigenen Mechanismus der Schmerzunterdrückung: Sie imitieren die Wirkung von Endorphinen (körpereigene Opiate, Glückshormone), indem sie an die so genannten Opiatrezeptoren des Gehirns ansetzen. Damit regeln sie die Wahrnehmung von Schmerzen herunter. Meist verabreichen sie Ärzte via Injektion, weil der Darm sie nicht resorbiert. Opiate werden streng überwacht, weil die Suchtgefahr erheblich ist. Aber mehrere Studien belegen, dass Schmerzpatienten nie opiatabhängig sind. Schwere Schmerzen sind ohne Opiate kaum in den Griff zu bekommen. Der Klassiker der Opiate ist das Morphium, ist aber durch Folgepräparate verdrängt worden. Nur bei extremen Schmerzzuständen bekommen es die Patienten noch heute. Morphium hat zwar von allen Opiaten die stärkste analgetische Wirkung, produziert aber auch die heftigsten Nebenwirkungen (Erbrechen, Übelkeit, Verstopfung). Tramal® und Valoron® sind schwache Opiate, die oft mit Metamizol kombiniert werden und oral eingenommen werden. Sie sind ideale Schmerztropfen. Eine echte Innovation sind die neuen Opiatpflaster. Patienten kleben sie auf die Haut, und für zwei bis drei Tage resorbiert die Haut ein starkes Analgetikum. Bei guter Dosierung treten praktisch keine Nebenwirkungen auf. Besonders Rheuma- und Arthrosepatienten eignen sich für diese Therapie.

Kombination ist sinnvoll. Die Kombination von peripheren und zentralen Mitteln macht Sinn. Die Welt-Gesundheit-Organisation propagiert ein sehr praxisnahes Schema. Sie empfiehlt, Schmerzen stufenweise anzugehen. Zuerst setzen Ärzte periphere Mittel ein (Aspirin®, Novalgin®, Voltaren®, Dolormin®). Reicht dies nicht, dann geben sie zusätzlich ein Opiat (Tramal®, Codol®). In der dritten Stufe nutzt man einen pharmakologischen Trick: Manche Psychopharmaka (Antidepressiva) verstärken als Nebeneffekt die Wirkung von Schmerzmitteln.

Die besten Schmerzmittel nützen nichts, wenn sie falsch eingesetzt werden. Etwa, wenn vor der Physiotherapie keine verordneten Schmerzmittel genommen werden und Bewegungsübungen dann zu schmerzhaft sind. Schmerzen die einmal entstanden sind, sensilibisieren den Organismus für weitere. Das führt dazu, dass alles noch schlimmer wird. Eine solche Sensilibisierung kann oft nicht mehr durchbrochen werden und die Behandlungseinheit ist ruiniert.


Schmerzsalben - Wie weggeschmiert

Den Schmerz einfach wegschmieren - das erhoffen sich viele, die in der Apotheke nach einer „Schmerzsalbe“ fragen. Ob alle den Schmerz lindern, ist fraglich.

Viele Sportler schwören auf sogenannte Schmerzsalben und schmieren sie auf alles, was zwickt und zwackt. Oft allerdings ohne genau zu wissen, welche Wirkstoffe in den freiverkäuflichen Salben, Cremes oder Gelen stecken. Doch das ist wichtig. Denn bei diesen vermeintlich harmlosen Präparaten gibt es einiges zu beachten.

Die eine Salbe wärmt, die andere stoppt den Schmerz
Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Schmerzsalben: Der eine Teil beinhaltet als wirksame Bestandteile vor allem Salicylate oder Nikotinsäureester. „Mobilat“, „Rheuma-Salbe Lichtenstein N“, „Finalgon Wärmecreme stark“ und „Mobilisin Salbe“ gehören zu dieser Gruppe. Reibt sich ein Sportler die Haut im Bereich schmerzender Muskeln damit ein, lösen die Wirkstoffe über ihre gefäßerweiternde Wirkung eine Rötung und Wärmeempfindung aus. Einen direkt schmerzstillenden Effekt haben sie allerdings nicht. Ob die Präparate über den wohltuenden Effekt des Einmassierens und der Erwärmung hinaus das Schmerzempfinden beeinflussen, ist fraglich.

Der andere Teil der Salben gehört zur Gruppe der NSAR, also der nichtsteroidalen Antirheumatika. Sie enthalten Wirkstoffe wie Diclofenac (zum Beispiel „Voltaren“, „ratiopharm Diclofenac Gel“ und „Diclofenac Heumann Gel“) oder Ibuprofen (beispielsweise „Ibutop“, „Doc Ibuprofen Schmerzgel“ und „Dolormin Mobil Gel“). Die Wirkstoffe dringen in die Haut ein und entfalten direkt im schmerzenden oder entzündeten Gewebe ihre Wirkung. Mittlerweile gibt es viele dieser Präparate als Gel, da sie  in dieser Form die Barrieren der Haut besser passieren können.

Der Ruf oberflächlich angewandter NSAR war bislang nicht besonders gut. Viele Pharmakologen sprechen ihnen jeglichen wirkstoffgebundenen Effekt ab. Inzwischen konnten Studien allerdings zeigen, dass die NSAR-Salben bei akuten Schmerzen besser wirken als ein Plazebo (Scheinarzneimittel).

Keine gastrointestinalen Blutungen

Doch nicht nur bei Sportverletzungen sind Schmerzsalben indiziert. Ärzte verschreiben sie auch Patienten, die an Arthrose oder rheumatischen Erkrankungen leiden. Denn wenn sie der Schmerzgeplagte sachgemäß anwendet -also nicht auf Schleimhäute oder offene Wunden schmiert -, haben die Salben gegenüber den NSAR-Tabletten einen großen Vorteil: Der Wirkstoffspiegel im Blut liegt nach lokaler Anwendung weit unter dem, den man bei gleicher Dosis nach oraler Gabe misst. Gefürchtete Komplikationen wie gastrointestinale Blutungen (Magen und Darm betreffend) kommen praktisch nicht vor. Bei Patienten mit beispielsweise rheumatischen Erkrankungen reicht der Wirkstoffspiegel der Salben allerdings oft nicht aus, weswegen sie auf Tabletten umstellen müssen.

Trotz des niedrigen Wirkstoffspiegels können auch NSAR-Salben ernst zu nehmende Nebenwirkungen auslösen: Relativ häufig treten lokale Hautreaktionen wie Rötung, Juckreiz, Brennen und Pusteln auf. Wie bei den oralen NSAR sollten Asthmatiker, Schwangere und Kinder die NSAR-Salben nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden. Zudem ist es nicht empfehlenswert, die eingeschmierten Hautareale dem Sonnenlicht auszusetzen, da bei Substanzen wie Ibuprofen photoallergische Reaktionen möglich sind.

Da bei anhaltenden Schmerzen eine ernsthafte Erkrankung ausgeschlossen werden sollte, müssen Patienten wissen, dass sie die Salbe ohne ärztliche Rücksprache nur drei Tage anwenden sollten. Haben sie einen Arzt aufgesucht und leiden nach zwei Wochen immer noch unter Schmerzen, ist ein erneuter Arztbesuch angebracht. Behandelt der Therapeut einen Patienten, der eine NSAR-Salbe bereits verwendet, gilt Ähnliches wie für die oralen NSAR: Reaktionen wie Schmerz, Schwellung und Beweglichkeit kann der Patient unter Umständen nur noch eingeschränkt beurteilen.




 
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