Physiotherapie André Handwerg

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Dehnen

Gesundheits-Info

Dehnen vor oder nach dem Sport bringt wenig

Die eine Sportlerfraktion schwört auf Dehnübungen als Muskelkaterprophylaxe. Die andere tut es als Märchen ab.

Australische Forscher liefern nun nüchterne Daten, die den Debatten auf Sportplätzen und Waldwegen ein Ende machen sollten: «Dehnen kurz vor oder nach dem Sport kann Muskelkater an den darauf folgenden Tagen nicht verhindern.» Dieses Fazit zieht Rob Herbert von der Universität Sydney aus einer Analyse von zehn Studien, in denen der Zusammenhang zwischen Dehnen und Muskelkater untersucht worden ist. Die Ergebnisse hat er letzte Woche in der «Cochrane Database of Systematic Reviews» veröffentlicht.In den begutachteten Studien dehnten gesunde, junge Probanden – 10 bis 30 je Studie – ihre Muskeln vor oder nach dem Sport zwischen 40 Sekunden und zehn Minuten lang. Ihren Muskelkater quantifizierten die Hobbysportler in den Tagen nach dem Training auf einer 100-Punkte-Skala. Das gemittelte Resultat: Die Stretching-Übungen milderten den Muskelkater um weniger als einen Punkt. Herbert: «Die Ergebnisse der einzelnen Studien stimmen aussergewöhnlich gut überein.»
Jürgen Freiwald, Sportwissenschaftler an der Universität Wuppertal, wundert dies nicht. «Mechanisch betrachtet, musste dieses Resultat herauskommen», sagt der Autor verschiedener Fachbücher zum Thema Dehnen. Denn Muskelkater entsteht auf Grund von winzigen Verletzungen in den Muskelfasern, die wegen zu hoher mechanischer Belastungen entstehen. «Was soll das Dehnen da bringen?», fragt er rhetorisch. Eine falsche Muskelkater-Theorie brachte das Dehnen vor mehr als 40 Jahren in Mode. Ungewohnte Bewegungen lösten Muskelkrämpfe aus, hiess es. Die Krämpfe würden die Durchblutung der Muskeln unterbinden, was zu Schmerzen und weiteren Krämpfen führe. Mit Stretching, so dachte man, könnte die Durchblutung gefördert und so der Krampf-Schmerz-Teufelskreis durchbrochen werden. 1986 wurde die Krampftheorie widerlegt; gedehnt wird aber immer noch.

Inzwischen gilt das Stretching längst nicht mehr nur als vermeintliche Muskelkater-Prophylaxe. Dehnen soll beweglicher machen, die Leistungsfähigkeit steigern, Verletzungen vorbeugen und die Regeneration verbessern. «Dehnen macht beweglicher», bestätigt Freiwald, das sei derart pauschal aber auch schon die einzige vertretbare Aussage. Ob man durchs Dehnen leistungsfähiger wird, kommt auf die Sportart an. Ein Kunstturner, der extrem beweglich sein muss, profitiert vom Dehnen; ein Sprinter, der kurz vor dem Wettkampf dehnt, wird dagegen eher langsamer rennen.

Vor allem Läufern bringt das Dehnen nichts

Dass Dehnen vor Verletzungen schützt, ist wissenschaftlich nicht bewiesen. «Stretchen habe keinen Effekt, sagen die grossen Studien», so Freiwald. Allerdings berufe man sich da auf gemittelte Werte. Es gebe durchaus Sportler, die vom Dehnen profitierten, und andere, denen es sogar schade. Klar ist: Die körperliche Regeneration wird durch Stretching nicht verbessert. Allerdings eignen sich viele Dehnübungen zum Entspannen und damit zur psychischen Regeneration. Was bedeutet nun all das für die Dehnpraxis der Hobbysportler? «Er kann sich aussuchen, ob er dehnt oder nicht. Es hat keinen spürbar positiven oder negativen Effekt», sagt Freiwald. «Insbesondere für einen Läufer ist es ziemlich wurst.» Bei Spitzensportlern hingegen spiele Stretching individuell eine grössere Rolle.

 
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